
vö: 25.09.2006 [apricot records/rough trade]
mit spearmint verbindet mich eine alte freundschaft, nein freundschaft trifft unser verhältnis nicht wirklich – es war wohl liebe.
ihr 2001 erschienenes a different lifetime zählt zu meinen allerliebste alben und sollte ich je vor die irritierende wahl gestellt werden, welche zehn alben ich auf meine einsame insel mitnehmen will, so wird dieses den weg unter die palmen finden.
a different lifetime beinhaltet einige der schönsten und wahrsten lieder über das seltsame spiel called liebe, die ich je gehört habe. musikalisch kommen sie dabei wie der kleine aber genauso smarte bruder von pulp daher und unterstüzen diesen eindruck noch optisch durch ihren sänger shirley lee, der auf jedem “jarvis lookalike contest” einige rosen [und machen wir uns nichts vor: auch mädchen] im arm halten würde.
verknüpft mit meiner damaligen gefühlslage zwischen endorphinhigh die welt umarmen wollen und depressiv im kaffee rühren war das album für mich eine offenbarung.
alles drin, zuckersüße lieder übers verlieben, weise Worte die liebe betreffend und tröstende worte des verständnisses über das entlieben. nur selten überkommt mich bei liedern der wunsch den text soweit zu verstehen, dass ich sie für mich übersetze und interpretiere. bei diesem album tat ich dies mit annähernd allen liedern und kann heute noch betrunken und/oder schlafend den text von scottish pop rezitieren.
mit anderen worten- großes kino damals.
die kritik beginnt so wundervoll, dass jetzt eigentlich ein korrektiv folgen müsste. und genau das wird passieren. leider.
wäre ich unbelastet von großen erwartungen an das im pressetext stürmisch beworbene album herangegangen, wer weiß, vielleicht hätte ich das mutige erste stück gelobt. nur wenige Bands trauen sich ein eher zähes 7:38 min langes stück an den anfang zu stellen. ein konzeptalbum soll es sein, vier menschen die sich in paris treffen und deren geschichten in den folgenden zehn songs weiterverfolgt wird.
das klingt wie ein guter ausgangspunkt zu einer interessanten geschichte und da könnte sich doch das übersetzen wieder lohnen, aber musikalisch ist das alles- und es tut mir richtig weh, dass zu schreiben – beliebig und nicht so zwingend, als dass man gebannt dem text lauschen möchte.
natürlich sind schöne melodien zwischen northern soul und pop dabei und auch die gesangsstimme von shirley hat dieses angenehm britische timbre und diesen schmelz in der stimme, aber es fehlt einfach das besondere, diese eine zündende idee, die es vermag aus einem guten song einen großen song zu machen.
der trend des schwächeren 2004er albums my missing days setzt sich leider fort, die beiden als single ausgekoppelten songs sind nett aber nur überdurchschnittlich, wobei my girlfriend is a killer die klar bessere wahl vor the competition ist.
ansonsten fallen trotz insgesamt sieben durchläufen, einem gläschen pernod in der hand, sonne im rücken und einem spearmintbutton am hemdkragen nur psycho magnet [bei dem allerdings sehr bei den lightning seeds gewildert wurde] und der beste song des album whats wrong with breaking up anyway? positiv auf.
whats wrong with breaking up anyway? ist auch der einzige song auf diesem album, bei dem die chance besteht, dass ich ihn mir mal ähnlich genau anhören könnte wie scottish pop.
für alle die spearmint noch nicht kennen- kauft a week away und a different lifetime, sie sind die bessere visitenkarte dieser sympatischen band.